Vom Samen zur Tasse

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Vom Samen zur Tasse

Bereits zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert war der Kaffee als Getränk in Arabien stark verbreitet, wo man ihn insbesondere zu sich nahm, um sich während der nächtlichen Andachten wachzuhalten.

Die Araber, die das Geheimnis um die Entdeckung des „schwarzen Getränks“ eifersüchtig hüteten, das sie als magisch und kostbar ansahen, verboten dessen Ausfuhr, nicht zuletzt auch, weil die Kaffeebohnen in Arabien bis 1400 nicht nur als Getränk, sondern auch zu medizinischen Zwecken verwendet wurden. Mit der Zeit jedoch verbreitete sich das Wissen von einem Kloster zum anderen. Der Kaffee wurde in die Heimatländer der Pilger mitgenommen und eroberte schließlich die gesamte arabische Welt.

Schon im 15. Jahrhundert gab es in Mekka und Medina die ersten öffentlichen Ausschänke. Paradoxerweise jedoch stieß die Durchsetzung des Getränks ausgerechnet innerhalb der arabischen Gemeinschaft auf beträchtliche Hindernisse. Seine anregende Wirkung ließ sich nämlich nicht mit den strengen Vorschriften des Islams vereinbaren.
Man musste sich also entscheiden, ob man das Getränk verbieten wollte, das ebenso wie der Wein euphorische Zustände auslöste, insbesondere in den in Mekka und Medina entstandenen Kneipen, in denen es getrunken wurde.

Die Verbreitung des Kaffees wurde durch die Ausbreitung des Islams in Nordafrika, Europa und Südasien begünstigt, anfangs unter den expansionistischen Vorstößen des osmanischen Reichs und später durch die von den großen Seefahrten vorangetriebene wirtschaftliche Entwicklung.
Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gelangte der Kaffee als kostbare Ware über die Grenzen des Orients und kam nach Europa. Dank der großen Segelschiffe, die das Mittelmeer überquerten, begannen die Seefahrer, die durch Warenimporte aller Art ihre Handelsgeschäfte immer mehr erweiterten, den Kaffee in die größten Häfen unseres Kontinents zu bringen.

Gegen Ende des Jahrhunderts tauchte der Kaffee gemeinsam mit dem Tabak in Venedig auf, und bereits im darauffolgenden Jahrhundert kam er auch in andere europäische Länder wie zum Beispiel nach Frankreich. Hier sorgten einige Kaufleute aus Marseille, die aus dem Orient kamen, dafür, dass die neue Ware in den französischen Häfen an Land ging. Man erzählt sich, dass der Erste, der Kaffee nach Frankreich importierte – das war im Jahr 1644 –, Monsieur Jean de la Roche war. Nach Holland gelangte der Kaffee gegen Ende des 17. Jahrhunderts durch die Niederländische Ostindien-Kompanie. Die Niederlande können sich auch des Verdiensts rühmen, die Kaffeepflanze nach Ostindien gebracht zu haben.

1640 wurde in Venedig der erste Kaffeeladen („Bottega del Caffé“) eröffnet, dem weitere in anderen italienischen Städten folgten. Mit der Verbreitung des Getränks und der Kaffeeläden begann der Preis der Ware zu sinken.
Durch die Reduzierung des Preises entstanden allein in Venedig in wenig mehr als einem Jahrhundert mehr als zweihundert Lokale, in denen Kaffee ausgeschenkt wurde.
Doch ebenso wie der Kaffee bei den religiösen Muslimen auf Hindernisse gestoßen war, setzten in Italien einige Vertreter der Kirche diesem neuen Getränk einen erbitterten Widerstand entgegen, in dem sie ein „Getränk des Teufels“ sahen.
Mit dem Nachlassen des Widerstands seitens der Kirche wurde der Kaffee im 18. Jahrhundert in intellektuellen Kreisen zum beliebtesten Getränk, so dass es den Beinamen „intellektuelles Getränk“ erhielt und ihm nicht nur die Gabe eines „belebenden Aufgusses“, sondern auch der Heilung von Krankheiten nachgesagt wurde.



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